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7. Kapitel – Die Fliege, ein Sammelpunkt des Lebens aus Gott 571

Administrator Beiträge: 10839 Forumgründer
7. Kapitel – Die Fliege, ein Sammelpunkt des Lebens aus Gott
« am: September 03, 2011, 08:38:54 Vormittag »
19. März 1842

 

[Fl.01_007,01] Nachdem wir bereits den negativ-polarischen Teil dieses Tierchens kennengelernt haben, welcher eigentlich der materielle Teil ist, so wollen wir uns nun zu dem positiv-polarischen Teil dieses Tierchens wenden, um allda erst das hauptsächlich Wunderbare mit einigen aufmerksamen Blicken zu erschauen.

[Fl.01_007,02] Wer je eine Fliege gesehen hat, der wird doch unmöglich ihr das Leben abstreiten können und wird vielmehr sagen müssen: Dieses Tierchen ist nicht nur lebendig, sondern was sein Leben betrifft, so hat es in naturmäßiger Hinsicht ja sogar ein vollkommeneres Leben als so manche Tiere, die sich schon auf einer bei weitem höheren Stufe der Vollkommenheit befinden. Ja, er wird am Ende noch sagen: Wahrhaftig wahr, so ich meine übrigen Eigenschaften beibehalten könnte, so wäre ich als Mensch der erste, der mit dem sehr bequem eingerichteten Leben einer Fliege tauschen möchte!

[Fl.01_007,03] Wenn nun ein Mensch solches Zeugnis einem Tierchen geben muß, so wird da etwa doch nicht eines näheren Beweises vonnöten sein, um daraus erst ersehen zu müssen, daß die Fliege ein vollkommen lebendiges Tierchen ist?!

[Fl.01_007,04] Also die Fliege lebt, das wüßten wir bereits; aber wie sie lebt, und warum sie lebt, sehet, Meine lieben Kleinen, das ist eine ganz andere Frage! Damit ihr aber dieses soviel als möglich gründlich begreifen möget, so wird es notwendig sein, zuvor einen allgemeinen Blick über das Leben selbst zu werfen.

[Fl.01_007,05] Und so höret denn: Das ganz eigentlichst freieste Leben ist nur in Mir, welches Leben aber also beschaffen ist und in einer also überschwenglich großen Vollkommenheit dasteht, daß es in seiner Sphäre ewig nie von einem geschaffenen Wesen kann ergriffen und erfaßt werden –, darum es ist ein heiliges Leben, und da es ist ein heiliges Leben, so ist es auch ein ewiges und ein unendliches Leben.

[Fl.01_007,06] Denket euch die ganze Unendlichkeit oder einen Raum, in dem sich ein Mittelpunkt befindet, von welchem nach allen Seiten endlose Strahlen auslaufen, deren Anfang zwar der Mittelpunkt, aber deren Ende ewig nirgends mehr anzutreffen ist!

[Fl.01_007,07] In diesem Zentrum ist alle lebende Kraft der ganzen Unendlichkeit vereinigt und geht von diesem Zentrum wieder in die ganze Unendlichkeit aus. Damit aber diese lebende Kraft sich nicht zu sehr in das Allerunendlichste zerstreue und daher in sich selbst schwächer werde, so hat sie sich durch die ganze Endlosheit des ewigen Raumes auch endlos viele Lebenssammelpunkte geschaffen, in welchen sich das Leben gewisserart selbst auffängt und sodann wieder zurückkehrt zu seinem urewigen Zentralsitze.

 

[Fl.01_007,08] Sehet, Meine lieben Kleinen, jetzt habe Ich euch ein gar außerordentlich großes Geheimnis enthüllt, – ja, Ich sage euch, ein Geheimnis, welches, solange die Erde von Menschen bewohnt ist, nur sehr wenigen und selbst dann nur dunkel angedeutet wurde!

[Fl.01_007,09] Aber so ihr dieses Geheimnis ein wenig verstehet, da wird sich euch in jedem Falle die bedeutungsvolle Frage von selbst aufwerfen, welche also lauten wird: Ja, aber warum muß denn solches geschehen? Kann denn Gott je schwächer werden in Seinem Leben?

[Fl.01_007,10] Und Ich sage euch darauf: Solches ist freilich wohl unmöglich, solange Gott in Sich Selbst allein verbleiben will und will durchaus keine Geschöpfe in Sich und aus Sich schaffen und formen.

[Fl.01_007,11] Wenn aber dem Bedürfnisse Seiner unendlichen Liebe zufolge, Er schon – wenigstens für eure Begriffe – von vielen Ewigkeiten her erschaffen hat Geschöpfe überaus mannigfacher Art, vom vollkommensten Geiste abwärts bis zum allerunbedeutendsten atomischen Tierchen, und allen diesen überaus endlos zahllosen Wesen das Leben gab, jedem nach seiner Art, – saget Mir einmal, durch welches Leben hat denn der Schöpfer diese zahllosen Wesen belebt, belebt sie jetzt noch und wird sie ewig beleben!?

[Fl.01_007,12] Hat Er etwa irgendwo außer Sich ein Privatleben, mit welchem Er alle diese Wesen belebt, ohne deshalb nötig zu haben, sie aus Seinem eigenen Leben zu beleben? Ich bin der Meinung, eine solche Annahme möchte etwa doch schon einem Steine undenkbar möglich vorkommen. Da der Schöpfer also kein solches Privatleben hat, so wird es ja etwa doch klar sein, daß Er alle diese geschaffenen Wesen aus Sich beleben muß.

[Fl.01_007,13] Wenn demnach alle diese Wesen mit ihrem erhaltenen Leben sich ewigfort hinaus vom Zentrum weg bewegen würden, so würde sich dadurch ja doch ganz natürlicherweise die Zentralkraft offenbar nach und nach schwächen müssen, obschon sich das Leben zwar als solches ewig nie verlieren könnte, da es ein unendliches Leben ist; aber doch könnte es statt ewigfort stärker, ebenalso schwächer werden, da es sich dadurch selbst einer unendlichen Teilung aussetzen würde.

[Fl.01_007,14] Damit ihr ein solches Schwächerwerden noch inniger versteht, so mache Ich euch nur auf die endlose Teilbarkeit der Materie selbst aufmerksam; denn ihr könnt euch zufolge dieser Teilung selbst noch in einem Atome endlos viele Teile denken. Aber wird das Atom dadurch stärker, so ihr es endlos teilet, oder umgekehrt? Ihr könnt zwar das Atom durch eine ewig fortdauernde Teilung nicht aufheben, aber solches möget ihr auch verstehen, daß sodann das also unendlich geteilte Atom nicht mehr die Stärke haben wird, wie es sie gehabt hat vor der Teilung.

[Fl.01_007,15] Wenn ihr nun solches einigermaßen begreift, so wird sich euch wieder eine Frage aufwerfen, und ihr werdet da sagen: Ja, wenn es also ist, da hätte ja der Schöpfer besser getan, so Er von Ewigkeit her nichts erschaffen hätte!

[Fl.01_007,16] Allein statt euch hier mit einer Gegenantwort zu kommen, will Ich euch Selbst um etwas ziemlich vielen Menschen Bekanntes fragen.

[Fl.01_007,17] Warum werden denn diejenigen Menschen gewöhnlich – wenigstens naturmäßig – stärker, welche schon von Jugend auf durch allerlei schwere Arbeit ihre Kräfte geübt haben? – Das ist Nummer eins.

[Fl.01_007,18] Nummer zwei: Warum hängt man denn einem Hufeisenmagnet nach und nach immer größere Gewichte an?

[Fl.01_007,19] Nummer drei: Durch welche Mittel wird denn ein Mensch zu einem Künstler und Virtuosen in einer oder der anderen Kunst?

[Fl.01_007,20] Geht euch bei diesen sehr bedeutungsvollen Fragen noch kein Licht auf?

[Fl.01_007,21] Warum wird denn das gehämmerte Metall stärker und bekommt eine desto größere Spannkraft, wenn es gehämmert wird, als das gleiche ungehämmerte?

[Fl.01_007,22] Warum wird von einem und demselben Baume das Holz fester und unzerstörbarer, je mehr irgend ein Baum den Stürmen ausgesetzt war?

[Fl.01_007,23] Sehet, und merket es denn, warum da in der weiten Unendlichkeit so endlos viele Lebensaufhaltspunkte gesetzt worden sind! Sehet, höret, und verstehet es: Damit sich das urewige Leben selbst immer mehr und mehr übe und sonach an der endlosen Kraft auch ewig und endlos zunehme, und das aus dem Grunde, weil auf diese Weise das von dem Mittelpunkte ausgehende Leben stets vervollkommneter und intensiver in das Zentrum zurückkehrt!

[Fl.01_007,24] So wir dieses wissen und verstehen, so werden uns, Meine lieben Kleinen, auch die ersten zwei gestellten Fragen, wie und warum nämlich die Fliege lebt, so gut wie schon vollkommen beantwortet sein. Denn wie sie lebt, beantwortet sich ja schon aus dem, daß sie ebenfalls ein solcher gestellter Sammelpunkt für das ausgehende Leben aus dem Zentrum ist und nimmt daher in sich sammelnd gleichsam die Leben von einer Unzahl Vorgangstierchen in sich auf.

[Fl.01_007,25] Also die erste Frage muß selbst einem Blinden schon ersichtlich klar sein.

[Fl.01_007,26] Es wird aber demzufolge nun auch sicher niemandem mehr schwerfallen, schon im voraus ganz klar zu bestimmen, warum sie lebt, nämlich: Damit die Summe ihres Lebens übergehe und somit zurückkehre in ein vollkommeneres und schon intensiveres Leben, und also fort und fort aufwärts bis zur Seele des Menschen, welche da zugleich auch in sich zur Aufnahme des intensivsten Lebens aus Mir fähig wird, welches Leben sich da mit Mir – wie ihr wißt – durch die Liebe nun wieder vollends zu einer Kraft vereinigen kann.

[Fl.01_007,27] Wenn ihr nun unser Tierchen von diesem Standpunkte aus betrachtet und nicht ausruft: Die Fliege, die Fliege, sie singt uns vom Siege!, so müsset ihr mit dreifacher Blindheit und Taubheit behaftet sein!

[Fl.01_007,28] Doch das bisher Gesagte über dieses Tierchens positive Polarität diene euch nur als eine tüchtige Vorleitung, damit ihr das, was da noch folgen wird, desto gründlicher verstehen möget. Überdenket es wohl; die nächste Fortsetzung wird euch erst etwas näher in das Wesen dieses Tierchens hineinsehen lassen, – und somit lassen wir es für heute wieder gut sein! –

 

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